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Samuel Kleinschmidt
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Samuel Petrus Kleinschmidt (* 27. Februar 1814 in Lichtenau (Alluitsoq); â 9. Februar 1886 in Nuuk) war ein deutsch-grönlĂ€ndischer Missionar der Herrnhuter BrĂŒdergemeine.
Er wuchs in Grönland und Europa auf und verbrachte den Rest seines Lebens in Grönland. Kleinschmidt war ein Universalgelehrter, der in verschiedenen Bereichen wissenschaftliche Pionierleistungen erbrachte. So schuf er die erste standardisierte grönlĂ€ndische Rechtschreibung, verfasste die bis dahin genaueste Grammatik und das ausfĂŒhrlichste Wörterbuch, auf ihn geht die erste vollstĂ€ndige grönlĂ€ndische BibelĂŒbersetzung zurĂŒck. Er verfasste auĂerdem mehrere wissenschaftliche LehrbĂŒcher sowie LeselernbĂŒcher und betĂ€tigte sich nebenbei in Meteorologie und Kartographie. Durch seine Verhaltensweisen und Ansichten geriet er mit vielen europĂ€ischen Kolonialangestellten und Missionaren in Konflikt, wĂ€hrend er von der grönlĂ€ndischen Bevölkerung sehr geschĂ€tzt wurde.
Contents
âą Leben
âą Jugend in Europa
âą Werk
âą Kartografie
âą Ehrungen
âą Werke
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Leben
Kindheit in Grönland
Samuel Kleinschmidt wurde als Sohn des deutschen Missionars Konrad Kleinschmidt (1768â1832) und dessen dĂ€nischer zweiter Ehefrau Christina Petersen (1780â1853) in der Herrnhuter Missionsstation Lichtenau (Alluitsoq) geboren. Er hatte drei Ă€ltere Halbgeschwister aus der ersten Ehe des Vaters, die jedoch nicht bei der Familie aufwuchsen. Zwei weitere Halbgeschwister waren vor Samuels Geburt gestorben. Nach dem Tod der ersten Ehefrau heiratete sein Vater 1813 erneut und bekam weitere Kinder: Samuel war der Ă€lteste Sohn; er bekam spĂ€ter noch zwei Schwestern sowie einen Bruder, der jedoch als Kleinkind starb. Er wurde vermutlich nach K'ĂąjarnaÄž benannt, der 1739 mit dem Namen Samuel als erster GrönlĂ€nder von der Herrnhuter BrĂŒdergemeine getauft worden war. Kleinschmidt wuchs vermutlich zweisprachig mit Deutsch und GrönlĂ€ndisch als Muttersprachen auf, konnte aber auch DĂ€nisch. Als er etwa acht Jahre alt war, wurde er von einem Ochsen angegriffen und so stark erschreckt, dass er danach dauerhaft zu stottern begann. In Lichtenau wurde er von Missionar Valentin MĂŒller unterrichtet, bis er â wie seine Ă€lteren Halbgeschwister â 1823 seine Ausbildung in Europa fernab der Eltern fortsetzte.cite-ref-2[1.1]
Sein Vater plante ab 1821 die GrĂŒndung einer weiteren Missionsstation. Um sein Anliegen durchzusetzen, reiste er 1823 mit seiner Familie nach Europa. Ein Boot brachte sie von Alluitsoq nach Qaqortoq. Von dort reisten sie am 24. August mit dem Schiff nach Europa. Am 25. September erreichten sie Flekkefjord in Norwegen. AnschlieĂend fuhren sie weiter nach Kopenhagen, wo sie am 4. Oktober ankamen. Nach einem kurzen Aufenthalt dort reisten sie mit einer Kutsche weiter nach Christiansfeld, wo seine Mutter frĂŒher gewohnt hatte, und anschlieĂend ins sĂ€chsische Kleinwelka, das sie Mitte November erreichten. Dort betrieb die Herrnhuter BrĂŒdergemeine ein Internat fĂŒr Kinder der Missionare aus aller Welt. Samuel und seine beiden Schwestern wurden dort einquartiert. Ihre Eltern reisten zwei Tage spĂ€ter ab, und sie sollten ihren Vater nie wieder sehen.cite-ref-3[1.2]
Jugend in Europa
Sachsen
In Kleinwelka zeigte sich schnell, dass Samuel hochbegabt war. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Ernst Bourquin erhielt er ab 1826 Sonderunterricht in Latein und Englisch. Damit war er eigentlich qualifiziert, das PĂ€dagogium in Niesky zu besuchen, wo sein Halbbruder Emanuel mittlerweile als Lehrer arbeitete. Aber wegen seines Stotterns weigerte sich die Schulleitung, ihn aufzunehmen. Man ĂŒberlegte deswegen, was der junge Samuel stattdessen tun sollte. Er wollte selbst Kunstmaler werden, was auch sein Vater fĂŒr eine gute Idee hielt. Dies wurde jedoch abgelehnt. Stattdessen lieĂ man ihn zwischen einer Ausbildung zum Kupfer- oder Goldschmied wĂ€hlen. Zu diesem Zeitpunkt wĂ€re er lieber Uhrmacher geworden, da er eher schwĂ€chlich gebaut war, aber letztlich musste er sich fĂŒr eine Lehre zum Goldschmied in Herrnhut entscheiden. Kurze Zeit spĂ€ter revidierte man diese Entscheidung jedoch, da seine Halbschwester Karoline ihm einen Lehrplatz als Apotheker im niederlĂ€ndischen Zeist vermitteln konnte.cite-ref-4[1.3]
Niederlande
Im April 1827 reiste er somit zu FuĂ von Kleinwelka erst nach Neuwied und dann nach Zeist. WĂ€hrend er in Zeist lebte, hörte er auf zu stottern. Er lebte anfangs in der NĂ€he seiner Halbschwester, die fĂŒr ihn wie eine Mutter wurde, bevor sie 1829 mit einem Missionar verheiratet wurde und in die Karibik zog. Es ist ĂŒberliefert, dass Samuel Kleinschmidt in seiner Jugend introvertiert war, hĂ€ufig in der Bibliothek saĂ und sich Wissen aneignete, wĂ€hrend er kaum Interesse hatte, Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen.
1832 wurde sein Halbbruder Emanuel zum Mitdirektor am PĂ€dagogium ernannt. Er versuchte zu erreichen, dass Samuel nach einem Vorbereitungskurs ab 1833 Theologie studieren dĂŒrfe, obwohl er das PĂ€dagogium nicht besucht hatte. Diese Idee wurde jedoch abgelehnt, unter anderem weil sein Meister ihn brauchte und weil der Vorschlag nicht von Samuel selbst kam.
Nachdem Samuel seine Lehre 1832 abgeschlossen hatte, blieb er somit vorerst als Geselle in der Apotheke in Zeist. 1834 ĂŒberlegte man, ihn als Lehrer in Königsfeld im Schwarzwald einzustellen, verwarf diese Idee aber auch aufgrund seines Charakters.
DĂ€nemark
1835 bat Samuel um eine Versetzung nach Neudietendorf, dem Heimatort seines Vaters, da er gehört hatte, dass seine drei Jahre zuvor verwitwete Mutter nach Europa zurĂŒckkehren wollte. Seine Mutter lieĂ sich jedoch in ihrer alten Heimat Christiansfeld nieder, weswegen Samuel Kleinschmidt im November 1835 dorthin reiste. Eigentlich sollte er in der dortigen Apotheke arbeiten, aber da er mehr Interesse fĂŒr Homöopathie hatte, verzichtete er darauf und begann stattdessen im dortigen Laden zu arbeiten. 1837 bot man ihm an, homöopathischer Arzt in Suriname zu werden, aber vermutlich lehnte er selbst ab. 1838 wurde ihm eine Stelle als Apotheker in Neudietendorf angeboten, aber auch hier lehnte er ab.cite-ref-5[1.4]
Obwohl er bereits anderthalb Jahre dort gelebt hatte, wurde er erst im Mai 1837 offiziell in die Gemeine in Christiansfeld aufgenommen. Es war in der streng reglementierten BrĂŒdergemeine nicht ĂŒblich, ohne Genehmigung zu verreisen oder umzuziehen, aber dem hatte Samuel Kleinschmidt sich mit seinem Wegzug aus Zeist widersetzt. Er lebte im BrĂŒderchor, der von seinem Onkel Niels Petersen geleitet wurde, und arbeitete wĂ€hrenddessen als begabter Buchhalter im Laden.
Im August 1837 wurde Samuel als Aufseher im Internat in Christiansfeld angestellt, vor allem auf Empfehlung von Ernst Reichel, der am Internat arbeitete und Freund von seinem Halbbruder Emanuel war. Nachdem mehrere Lehrer in Christiansfeld versetzt worden waren, ĂŒberlegte man, Kleinschmidt zum Lehrer zu befördern. Aber der Schulleiter Philipp Jacob Roentgen weigerte sich erneut aus CharaktergrĂŒnden. Kleinschmidt war ein arbeits- und wissensbegieriger EinzelgĂ€nger, der aufgrund seiner eigenen FĂ€higkeiten die seiner SchĂŒler nicht richtig einzuschĂ€tzen vermochte, was ihn als PĂ€dagogen potentiell ungeeignet machte. Da Roentgen jedoch keinen Ersatz finden konnte, wurde Kleinschmidt 1840 dennoch Lehrer.
In Christiansfeld lernte Kleinschmidt Peder Kragh kennen, der 1838 im nahegelegenen Lintrup Sogn zum Pastor ernannt worden war. Von 1818 bis 1828 war Kragh fĂŒr die dĂ€nische Mission in Grönland tĂ€tig gewesen, wo er groĂes Interesse an der Sprache zeigte. 1840 wurde eine Stelle als Missionar in Samuel Kleinschmidts Geburtsort Lichtenau frei. Trotz seines schwierigen Charakters sah man ihn diesmal als gute Wahl, vor allem weil er selbst von dort stammte. Auch den in Königsfeld tĂ€tigen Lehrer Carl Wilhelm Fliegel hatte man in Betracht gezogen und wie ĂŒblich lieĂ man das Los entscheiden, wobei Kleinschmidt gewann. Nachdem er ein letztes Mal Weihnachten mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern Cornelia und Elisabeth gefeiert hatte, wurde er am 4. Januar 1841 zum Akoluth (Missionshelfer) ernannt und am 26. MĂ€rz reiste er aus Christiansfeld ab, um sich auf den Weg nach Grönland zu machen.cite-ref-6[1.5]
MissionstÀtigkeit in Grönland
Lichtenau
Er erreichte Qaqortoq und fuhr von dort aus mit dem Boot nach Lichtenau, wo er am 10. Juni 1841 ankam. Er war zu diesem Zeitpunkt seit 18 Jahren nicht mehr in Grönland gewesen.cite-ref-7[1.6] Anfangs musste Kleinschmidt vor allem praktische Arbeiten in den Bereichen Nahrungsversorgung, Bau oder Landwirtschaft ĂŒbernehmen. Noch im selben Jahr unternahm er mit seinen Kollegen eine Untersuchungsreise, um das mittelalterliche Kloster St. Olaf zu finden. Sie suchten vergeblich auf der Insel Uunartoq, die rund zwölf Kilometer östlich von Alluitsoq liegt; erst spĂ€ter wurden die Ruinen rund fĂŒnf Kilometer weiter nördlich auf dem Festland bei der SchĂ€fersiedlung Narsarsuaq entdeckt. Wegen seiner aus seiner Kindheit stammenden Angst vor Ochsen konnte er sich nur um die Ziegen kĂŒmmern; tatsĂ€chlich begann er kurz nach seiner Ankunft wieder stĂ€rker zu stottern.cite-ref-8[1.7]
Nebenher musste Kleinschmidt sich auch der MissionarstĂ€tigkeit widmen, wozu der Schulunterricht der Kinder gehörte. Er kritisierte die vorhandenen LeselernbĂŒcher als wirkungslos, was sich in den vorgefundenen LesefĂ€higkeiten der Kinder widerspiegelte, und schuf seine eigene Methode, die sich als deutlich erfolgreicher herausstellte. Er hielt es fĂŒr nutzlos zu versuchen, vierjĂ€hrigen Kindern Lesen beizubringen. Stattdessen schlug er die GrĂŒndung von Vorschulklassen fĂŒr die vier- bis siebenjĂ€hrigen Kinder vor. Sein Vorschlag wurde erst einige Jahrzehnte spĂ€ter eingefĂŒhrt. Allerdings gelang es ihm durchzusetzen, dass die SchĂŒler in zwei getrennten Gruppen unterrichtet wurden: Die Kinder wurden aufgeteilt in eine Gruppe derjeniger, die lesen konnten, und jener, die nicht lesen konnten. Offiziell stieg die Anzahl der SchĂŒler, die gut lesen konnten, anschlieĂend stark an. Allerdings beschwerte sich Kleinschmidt in Briefen darĂŒber, dass die anderen Missionare die Berichte beschönigten.cite-ref-9[1.8]
Samuel Kleinschmidt hatte aufgrund seiner Herkunft gĂ€nzlich andere Voraussetzungen und dazu einen andersartigen Charakter im Vergleich zu den anderen Missionaren. Wie man bereits in seinen jungen Jahren befĂŒrchtet hatte, fĂŒhrte dies zu AutoritĂ€tskonflikten. Kleinschmidt hatte GrönlĂ€ndisch als Muttersprache gelernt, wenn auch in den Jahren in Europa teils vergessen. FĂŒr die anderen Missionare war GrönlĂ€ndisch eine Ă€uĂerst schwer zu erlernende Fremdsprache. Obwohl Kleinschmidt somit bereits nach kurzer Zeit besser GrönlĂ€ndisch sprach als alle seine Kollegen, weigerte er sich Predigten zu halten, da er der Meinung war, dass seine SprachfĂ€higkeiten dafĂŒr zu schlecht waren und man der Bevölkerung ein solches Kauderwelsch nicht zumuten könne. Erst 1843 hielt er seine erste Andacht und einige Jahre spĂ€ter gezwungenermaĂen auch seine erste Predigt, wobei er im Gegensatz zu allen anderen Missionaren nicht vorlas, sondern frei vor den GrönlĂ€ndern sprach.
Er hatte einen systematischen Blick fĂŒr die Sprache und plante bereits nach kurzer Zeit, eine Ăberarbeitung der grönlĂ€ndischen Grammatik und des Wörterbuchs zu verfassen. Hierbei sollte die Sprache weniger aus Sicht eines Lateinkundigen analysiert werden, sondern völlig neutral. Er beschwerte sich auch ĂŒber die von Anfang an unsystematische Rechtschreibung und plante groĂe Ănderungen. Vor allem in diesem Bereich geriet er in Konflikt mit seinem Vorgesetzten Valentin MĂŒller, der bereits 1813 mit Kleinschmidts Eltern nach Grönland gekommen war und nun Ă€hnlich arrogant und beherrschend wie einst Samuel Kleinschmidts Vater auftrat. Vor allem das Menschenbild, das MĂŒller und Kleinschmidt jeweils von den GrönlĂ€ndern hatten, unterschied sich bei beiden stark: MĂŒller sah die Bevölkerung nur als âMissionsobjekteâ, deren erfolgreiche Missionierung sein eigenes Ansehen steigern konnte, wĂ€hrend Kleinschmidt in ihnen eigene Landsleute sah.
Obwohl das VerhĂ€ltnis zwischen der dĂ€nischen Kolonialmacht und den Herrnhuter Missionaren seit jeher stark angespannt war, erhielt Kleinschmidt um 1842 von Inspektor Carl Peter HolbĂžll ein Set Silberbesteck geschenkt, nachdem er den DĂ€nen nach dem Tod von Missionar Hans Peter Bech und dem darauffolgenden Selbstmord von Kolonialverwalter Ove Kielsen mit der Buchhaltung geholfen hatte. WĂ€hrend HolbĂžll Konrad Kleinschmidt seinerzeit am liebsten aus Grönland verbannt hĂ€tte, sah er in dessen Sohn einen Herrnhuter Missionar ohne die sonst von diesen bekannte Sturheit. Der Konflikt mit Valentin MĂŒller war hingegen so groĂ, dass alle Missionare 1845 in Briefen ihre Streitigkeiten gegenĂŒber der Herrnhuter Direktion erlĂ€utern sollten. Kleinschmidt wĂŒnschte, versetzt zu werden.cite-ref-10[1.9] Noch im selben Jahr hĂ€tte er abreisen sollen, aber er strandete wetterbedingt in der Missionsstation Friedrichsthal (Narsarmijit). Im folgenden Jahr konnte ein JĂ€ger ihn in seinem Boot mitnehmen. Nach 18 Tagen auf See erreichte er die Missionsstation Lichtenfels (Akunnaat). Auf der Reise zeichnete er Landkarten von der grönlĂ€ndischen KĂŒste. Die Bevölkerung, die er in Alluitsoq zurĂŒcklieĂ, war sehr traurig ĂŒber seine Versetzung, da sie ihn als einzigen Missionar als einen von ihnen betrachteten.cite-ref-11[1.10]
Lichtenfels
Als er nach Lichtenfels (Akunnaat) kam, litt die eine Missionarsfamilie unter einer schweren Krankheit mit schmerzhaften Beulen, weswegen Kleinschmidt einen groĂen Teil ihrer Arbeit ĂŒbernehmen musste. Er steckte sich schlieĂlich bei ihnen an und genas erst nach rund einem Jahr im Herbst 1847. Der Distriktsarzt Rasmus Christian Rasmussen hatte ihn nicht heilen können. Vermutlich in diesem Jahr lieĂ er sich zwei homöopathische BĂŒcher zuschicken und meinte schlieĂlich, dass ein Löffelkraut ihn geheilt habe. WĂ€hrend dieser Zeit lernte er auch den Missionar Carl Janssen kennen, der ihn im September 1847 beschrieb als einen Mann mit Halbglatze, roten Haaren und Bart mit KrĂ€tze und verschorfter Kopfhaut, der in löchrigen Hosen herumlaufe und bei jeder möglichen Gelegenheit trinke.
Nach seiner Genesung begann Kleinschmidt wieder verstĂ€rkt mit der Missionsarbeit, wobei er sich â fĂŒr Missionare unĂŒblich â ein Kajak anschaffen lieĂ, um die Bevölkerung in der Umgebung besuchen zu können.
Bereits 1846 hatte er seinen ersten Entwurf fĂŒr die grönlĂ€ndische Grammatik an seinen Halbbruder geschickt, der zu diesem Zeitpunkt als Pastor im schwedischen Göteborg arbeitete. 1847 arbeitete er weiter an der Grammatik und schickte Kopien an die anderen Missionare, um UnterstĂŒtzung von diesen fĂŒr seine VorschlĂ€ge fĂŒr die Rechtschreibung zu erhalten.
Im Sommer 1848 lieĂ er sich ĂŒberreden, mit einem englischen WalfĂ€ngerschiff nach Labrador zu reisen, um die dort lebenden Inuit zu erforschen. AnschlieĂend sollte er mit dem Schiff nach Europa fahren, um von dort nach Grönland zurĂŒckkehren zu können. Aus unbekannten GrĂŒnden wurden diese PlĂ€ne jedoch vorerst verworfen. Er hatte sich vermutlich von dem Aufenthalt bessere Kenntnisse ĂŒber die Sprache der dortigen Inuit erhofft, die er fĂŒr seine eigene Grammatik hĂ€tte nutzen können.
WĂ€hrend die Jahre in Lichtenau von dauerhaften Konflikten zwischen den Missionaren und Missachtung gegenĂŒber Kleinschmidt geprĂ€gt waren, erlebte er in Lichtenfels ein freundschaftliches und friedliches Zusammenleben, und seine Kollegen waren traurig, als er 1848 in die Missionsstation Neu-Herrnhut (Noorliit) umzog.cite-ref-12[1.11]
Neu-Herrnhut
In Neu-Herrnhut waren die anderen Missionare von Kleinschmidts Ankunft nicht erfreut, da sie von den Zusammenarbeitsproblemen in Lichtenau gehört hatten und sie keinen Nutzen in dem schmĂ€chtigen Mann sahen, der dafĂŒr bekannt war, fĂŒr körperliche Arbeit ungeeignet zu sein. Er erhielt die Aufgabe des Schulunterrichts zugewiesen, die bei den anderen Missionaren unbeliebt war. Kleinschmidt fĂŒhrte auch hier mehrere Ănderungen ein, unter anderem unterrichtete er Jungen und MĂ€dchen gemeinsam. Er unterrichtete auch in Blasmusik und war selbst als Organist tĂ€tig. Er versuchte, die Herausgabe eines neuen Litaneibuchs zu erreichen, und verfasste vermutlich selbst zahlreiche grönlĂ€ndische Texte fĂŒr Kirchenlieder. Als Dank fĂŒr die gute Arbeit in der Schule musste er sich nicht um die praktische oder kirchliche Arbeit kĂŒmmern, die die anderen Missionare ĂŒbernahmen.cite-ref-13[1.12]
In Neu-Herrnhut verschĂ€rften sich die Probleme zwischen Kleinschmidt und seinen Kollegen beziehungsweise der Herrnhuter BrĂŒdergemeine insgesamt wieder. Kleinschmidt zeigte sich schwer enttĂ€uscht davon, dass seine liebevoll verfassten und genauen, wirklichkeitsgetreuen Berichte, die er nach Europa sandte, vor ihrer Veröffentlichung zensiert, gekĂŒrzt und beschönigt wurden. Daneben verstand er sich gut mit den dĂ€nischen Kollegen, was den anderen Herrnhuter Missionaren ein Dorn im Auge war. Seine grönlĂ€ndischen Verhaltensweisen, seine Freundschaft zur grönlĂ€ndischen Bevölkerung sowie seine allseits bekannte fehlende Hygiene, die damals eher grönlĂ€ndischen als europĂ€ischen Standards entsprach, sorgten fĂŒr weitere Missachtung seitens der Kollegen.cite-ref-14[1.13]
1845 war in Nuuk das Lehrerseminar GrĂžnlands Seminarium gegrĂŒndet worden, um GrönlĂ€nder als Katecheten ausbilden zu können, die die Aufgaben der Missionare auĂerhalb der Kolonien wahrnehmen sollten. Die BrĂŒdergemeine hielt dies grundsĂ€tzlich fĂŒr eine gute Idee und plante die GrĂŒndung einer vergleichbaren Institution fĂŒr die herrnhutisch missionierten GrönlĂ€nder. Samuel Kleinschmidt sollte die Schule leiten, vor allem aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse. Er schlug vor, dass sie in Lichtenau oder Friedrichsthal errichtet werden sollte, da die Bevölkerung dort fleiĂiger, ordentlicher und sparsamer war als in Neu-Herrnhut oder Lichtenfels und somit besser qualifiziert fĂŒr eine Ausbildung. Die Direktion war jedoch der Meinung, dass sie sich in Neu-Herrnhut befinden sollte. Es wurde Wert darauf gelegt, dass die SchĂŒler nicht zu europĂ€isch wĂŒrden und eher lernten, gute JĂ€ger zu werden, als gut lesen zu können. Bereits 1850 sollte die Helferschule in Betrieb genommen werden. Kleinschmidt hatte um die Errichtung eines eigenen GebĂ€udes und die Schaffung von notwendigem Inventar sowie Unterrichtsmaterialien gebeten. Es wurde jedoch beschlossen, dass der Unterricht vorerst im bisherigen SchulgebĂ€ude stattfinden sollte. Die zugesandten Unterrichtsmaterialien enttĂ€uschten Kleinschmidt qualitativ schwer. Im ersten Jahr wurden sechs SchĂŒler zwischen 13 und 21 Jahren aufgenommen, wobei fĂŒnf von ihnen aus Neu-Herrnhut stammten und nur einer aus Lichtenfels; dazu zeigte sich, dass keiner von ihnen ĂŒberhaupt ausreichend lesen konnte. Im ersten Jahr waren die Erfolge der SchĂŒler mĂ€Ăig, was Kleinschmidt vor allem der Armut und Hunger zuschob. Er schlug daraufhin vor, dass seine Schule als Familie gesehen werden sollte, in der er als Vater und die SchĂŒler als seine Kinder fungierten. Um die Kinder versorgen zu können, sollte er Geld aus der Missionskasse erhalten. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt, da man dem unverheirateten Kleinschmidt vor allem aufgrund seiner schlechten Hygiene und Manieren nicht die Rolle eines Vaters anvertrauen wollte.
Es war relativ ungewöhnlich fĂŒr einen Missionar, nicht verheiratet zu sein. Aber Kleinschmidt meinte selbst, dass er dies nicht wollte, und wenn, dann hĂ€tte er eine GrönlĂ€nderin heiraten wollen, was bei den Herrnhutern undenkbar und unmöglich war. Vermutlich wollte er die Probleme einer Missionarsfamilie vermeiden, mit denen er selbst aufgewachsen war: zwangsverheiratet zu werden, ohne seine Verlobte auch nur ein einziges Mal gesehen zu haben, zu einem Leben fernab der Heimat gezwungen zu werden und die Kinder nach Europa zu schicken und sie hĂ€ufig nie wiederzusehen. Wegen der finanziellen Probleme bei der Versorgung seiner SchĂŒler eröffnete Kleinschmidt schlieĂlich einen Kiosk, in dem er unter anderem Kaffee verkaufte, was damals nicht gerne gesehen wurde. Dazu handelte er auch mit Jagdwerkzeugen und Fellen, was ebenfalls problematisch war.
Anfang der 1850er Jahre erwog man in Herrnhut die GrĂŒndung einer Mission in der Mongolei und suchte hierfĂŒr einen unverheirateten Missionar mittleren Alters mit guten Sprachkenntnissen. Man betrachtete Kleinschmidt hierfĂŒr als gut geeignet, und zugleich hĂ€tte man die kollegialen Probleme gelöst, die zwischen Kleinschmidt und seinen Kollegen herrschten. Als man ihn fragte, lehnte er jedoch ab, was er einerseits damit begrĂŒndete, kein Sprachtalent zu sein (er meinte selbst, schlecht NiederlĂ€ndisch und DĂ€nisch und sogar GrönlĂ€ndisch zu sprechen), andererseits damit, fĂŒr ein neues Missionsprojekt nicht motiviert zu sein und seine Schule nicht aufgeben zu wollen. Die PlĂ€ne fĂŒr die Mission wurden spĂ€ter dahingehend geĂ€ndert, dass diese nach Tibet verlegt wurde. Als Leiter wĂ€hlte man Kleinschmidts ehemaligen MitschĂŒler Heinrich August JĂ€schke, der als Erforscher der tibetischen Sprache bekannt werden sollte.
Wegen Uneinigkeiten mit den ĂŒbrigen Missionaren geriet Kleinschmidt mit seiner Schule immer weiter in Missgunst. Er hatte widerwillig PrĂŒfungen eingefĂŒhrt, und als er endlich Erfolge zu sehen vermochte, zwang man ihn, seinen LieblingsschĂŒler Abraham der Schule zu verweisen, weil er sich in Augen der Missionare schlecht verhalten hatte.cite-ref-15[1.14] 1856 wurde er wieder mehr zur eigentlichen Missionsarbeit aufgefordert, aber in seinen Andachten begann Kleinschmidt anschlieĂend die Herrnhuter Lehre und Kirchenzucht stark zu kritisieren. Besonders wegen des Umgangs mit Abraham zeigte er seinen Frust in seinen Reden. Dies sorgte fĂŒr noch mehr Streit zwischen Kleinschmidt und den ĂŒbrigen Missionaren sowie der Herrnhuter Direktion. Man drohte ihm an, ihm zu verbieten Predigten zu halten, wenn er sich mit seiner Kritik nicht zurĂŒckhielt. In einem Brief an die Direktion beschwerte Kleinschmidt sich ausfĂŒhrlich und warf den Herrnhutern vor, an allen sozialen Problemen in Grönland schuld zu sein, da deren Kirchenlehre die Gesellschaft zerstörte. SchlieĂlich beschloss die Direktion 1858, dass Kleinschmidt nach Europa zurĂŒckkehren sollte und die Schule, die zuletzt nur noch vier SchĂŒler hatte, aufgelöst werden sollte. Kleinschmidt weigerte sich jedoch nach Europa zu reisen, da er befĂŒrchtete, nie wieder nach Grönland zurĂŒckkommen zu können, wenn er dort keine Stelle hatte. Er arbeitete deswegen noch im Winter 1858/59 weiter in Neu-Herrnhut.cite-ref-16[1.15]
In den 1850er Jahren verschlimmerte sich die Armut in der grönlĂ€ndischen Bevölkerung, vor allem in den Herrnhuter Missionsstationen, obwohl die JagdertrĂ€ge gut waren und die Preise vorteilhaft. Dies wurde von den meisten der AbhĂ€ngigkeit von Kaffee zugeschrieben, wĂ€hrend Kleinschmidt der Meinung war, dass der Kolonialismus das Problem war. 1855 schlug er vor, sich zum Armenleiter ernennen zu lassen, da er der Meinung war, dass Faulheit und die Möglichkeit, sich problemlos Geld bei den EuropĂ€ern leihen zu können, die gröĂten Probleme waren. Als Armenleiter wollte er dafĂŒr sorgen, dass nur noch er Kredite ausstellen dĂŒrfte. Sein Vorschlag wurde jedoch abgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt besuchte Samuel Kleinschmidt hĂ€ufig die DĂ€nen in Nuuk, mit denen er soziale und politische Angelegenheiten diskutierte. Besonders gut verstand er sich mit Carl Janssen, der 1847 noch auf ihn herabgesehen hatte und mittlerweile Leiter von GrĂžnlands Seminarium war, sowie mit Hinrich Johannes Rink, der kommissarisch als Inspektor in SĂŒdgrönland tĂ€tig war und ebenso wie Kleinschmidt groĂes wissenschaftliches Interesse hatte, aber mit dem er in Bildungsfragen uneinig war. Kleinschmidt schlug Rink erneut die Idee vor, dass sich jemand der Armut annehmen sollte, aber diesmal sollten es mehrere Personen sein. Kleinschmidt, Rink, Janssen und der Distriktsarzt Jacob Frederik Theodor Lindorff, dem die anderen wegen seines zu europĂ€ischen Gedankenguts skeptisch gegenĂŒberstanden, ĂŒberlegten, wie man dies am besten bewerkstelligen könnte. Im Mai 1856 einigten sie sich auf die GrĂŒndung der Forstanderskaber â eine pro Kolonialdistrikt, wobei Kleinschmidt als Hauptverantwortlicher gesehen wurde. Die Forstanderskaber sollten aus Kolonialangestellten sowie den besten grönlĂ€ndischen JĂ€gern des Kolonialdistrikts bestehen. Sie sollten fĂŒr die Versorgung der Armen, Belohnung der TĂŒchtigen und fĂŒr juristische Fragen zustĂ€ndig sein. GrundsĂ€tzlich galt es, die AbhĂ€ngigkeit von den Handels- und Missionsangestellten zu vermindern, Faulheit zu sanktionieren und Einsatz zu belohnen. Der Vorschlag musste noch genehmigt werden. Im Juli 1857 kehrte Rink, der anstelle des im Vorjahr bei einem Schiffsuntergang ums Leben gekommenen HolbĂžll zum Inspektor ernannt worden war, nach Grönland zurĂŒck gemeinsam mit der Erlaubnis, fĂŒr zwei Jahre versuchsweise Forstanderskaber grĂŒnden zu dĂŒrfen. In den sĂŒdlichsten vier Kolonialdistrikten wurde noch im selben SpĂ€tsommer die Arbeit aufgenommen. Nach zwei Jahren sollte 1859 eine endgĂŒltige Lösung fĂŒr die landesweite EinfĂŒhrung der Forstanderskaber gefunden werden, wo sich erneut Kleinschmidt sowie der neue Seminariumsleiter Haldor Ferdinand JĂžrgensen besonders einsetzten. Als Rink versuchte, den Vorschlag erneut in DĂ€nemark durchgesetzt zu bekommen, wurde er mit groĂer Skepsis betrachtet, da er in keinerlei Zusammenhang mit den damaligen europĂ€ischen Verwaltungstraditionen stand, weil man ihn extra auf die grönlĂ€ndischen VerhĂ€ltnisse und BedĂŒrfnisse maĂgeschneidert hatte. Hingegen hatte der Forstanderskab in den vorangehenden zwei Jahren bei der grönlĂ€ndischen Bevölkerung groĂe Beliebtheit gewonnen. Besonders die Einteilung der Bevölkerung in Klassen (nach Jagdtalent und Zivilstand) sorgte fĂŒr Verwunderung, und es ist dabei auszugehen, dass dies Kleinschmidts Vorschlag war, der auf der Herrnhuter Choreinteilungstraditionen beruhte, mit denen er selbst aufgewachsen war.cite-ref-17[1.16]
Die Weigerung von Kleinschmidt, nach Europa zu reisen, war fĂŒr die Herrnhuter Direktion ein Schock. Dass ein Gemeindemitglied sich weigerte, den BeschlĂŒssen zu gehorchen, war tatsĂ€chlich so ungewöhnlich, dass man mangels Erfahrung nicht recht wusste, was man tun sollte. Man schlug vor ihn als Katechet nach Pamialluk zu versetzen, wo viele Tunumiit ankamen, aber glaubte, dass er sich dort zu sehr mit dem dĂ€nischen Handelsangestellten verbrĂŒdern wĂŒrde. Ein anderer Vorschlag war die Versetzung nach Lichtenau, aber hier wĂ€ren die Streitigkeiten beigeblieben. Kleinschmidts Halbbruder Emanuel schlug vor, ihn entweder nach Kanada zu versetzen oder ihn zur dĂ€nischen Mission ĂŒbertreten zu lassen. Alle VorschlĂ€ge wurden abgelehnt, vor allem weil man darin eine Belohnung fĂŒr Kleinschmidts Ungehorsam sah. Man erwog auch, ihm ein weiteres Jahr zu geben, um sich zu besinnen, bevor man eine endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber seine Entlassung treffen wollte. Kleinschmidts frĂŒherer Vorgesetzter Ernst Reichel sollte auf Visitationsreise nach Grönland kommen, um die Lage besser zu verstehen und eine Lösung zu finden. Die anderen Missionare weigerten sich, Kleinschmidt weiter bei sich zu haben, und Kleinschmidt selbst weigerte sich weiterhin, nach Deutschland zu ziehen. Er meinte, die BibelĂŒbersetzung, an der er arbeitete, nur in Grönland fertigstellen zu können. Als Haldor Ferdinand JĂžrgensen sich schlieĂlich bereiterklĂ€rte Kleinschmidt aufzunehmen, war eine Lösung gefunden. Am 2. September 1859 verlieĂ Samuel Kleinschmidt Neu-Herrnhut.cite-ref-16-1[1.15]
Nuuk
Samuel Kleinschmidt wurde auf dem Dachboden des SeminariumsgebĂ€udes einquartiert, wo sich auch die Bibliothek befand, wĂ€hrend Familie JĂžrgensen ihn mit Essen versorgte. Er wurde Bibliothekar, ĂŒbersetzte die Bibel und arbeitete nebenher als Privatlehrer fĂŒr die Töchter des Handelsassistenten Niels Peter Svanberg. Da sowohl Haldor Ferdinand JĂžrgensen als auch Carl Junius Optatus Steenberg und Carl Janssen sich fĂŒr die Einstellung Kleinschmidts am Seminarium einsetzten, entschied sich das dĂ€nische Kultusministerium entgegen der Empfehlung von Bischof Hans Lassen Martensen dafĂŒr, ihn fĂŒr vorerst ein Jahr am Seminarium arbeiten zu lassen. Die Herrnhuter BrĂŒdergemeine hatte hiergegen nichts einzuwenden. 1860 gab auch Kleinschmidt selbst eine Stellungnahme ab, die als Grundlage fĂŒr eine dauerhafte Anstellung am Seminarium dienen sollte. Er erhielt schlieĂlich eine Festanstellung, durfte jedoch keinen Religionsunterricht geben, da man sich seiner eigenwilligen Auslegungen der Bibel bewusst war.cite-ref-18[1.17] Mit seiner Festanstellung zog er aus dem Dachboden aus und baute sich in der NĂ€he ein kleines Holzhaus mit Torfmauern. Wahrscheinlich hĂ€tte er lieber in einem traditionellen grönlĂ€ndischen Torfmauerhaus gewohnt, was er aber nicht als möglich ansah, da diese nur halbjĂ€hrig bewohnbar waren. Er trug grundsĂ€tzlich grönlĂ€ndische Kleidung und bei seinem Tod hinterlieĂ er groĂe Mengen UnterwĂ€sche, die besorgte Missionarsfrauen ihm geschenkt hatten, die aber offensichtlich nie getragen worden waren.cite-ref-19[1.18] Am Seminarium unterrichtete Kleinschmidt ab 1860 in Naturgeschichte, Geografie, Geschichte und GrönlĂ€ndisch, ab dem Folgejahr auch in geringem MaĂe im Alten Testament und DĂ€nisch. Ab 1863 ĂŒberwachte er den Kajakunterricht von Karl Arntz. 1864 erhielt er das Alte Testament gĂ€nzlich als Unterrichtsfach und unterrichtete ab da bis 1870 auch in Kirchen- und Missionsgeschichte und Orgelspiel. FĂŒr den Unterricht schrieb er seine eigenen LehrbĂŒcher. Er lieĂ ein Wohnheim fĂŒr die SeminariumsschĂŒler einrichten und ĂŒbernahm mit der Zeit mehr und mehr von der Verwaltung des Seminariums, vor allem wenn seine Vorgesetzten verhindert waren. Zudem fungierte er als Buchhalter. Wie schon in Neu-Herrnhut pflegte er ein Ă€uĂerst freundschaftliches VerhĂ€ltnis zu den SchĂŒlern, die ihn als Vater ansahen. Auch zu den Kindern der Missionare hatte er so ein gutes VerhĂ€ltnis, dass sie einander hĂ€ufig noch Jahre spĂ€ter Briefe schrieben.cite-ref-20[1.19]
Im Winter 1859/60 war Kleinschmidt in geringem MaĂe an der von Hinrich Johannes Rink initiierten Sammlung grönlĂ€ndischen Mythen beteiligt, zog sich aber vermutlich aus Uneinigkeit ĂŒber die Rechtschreibung und die Bedeutung der Mythen aus dem Projekt zurĂŒck. Kleinschmidt und Rink zerstritten sich im Folgejahr sogar so sehr, dass Rink beschloss, die noch immer nur versuchsweise laufenden Forstanderskaber abzuschaffen, möglicherweise um Kleinschmidt eins auszuwischen. 1862 wurden sie schlieĂlich doch landesweit eingefĂŒhrt, nachdem Sophus Theodor Krarup Smith in Diensten des Innenministeriums eine Untersuchungsreise nach Grönland vorgenommen und dabei Kleinschmidts und Rinks Meinungen eingeholt hatte. Es gelang Rink durchzusetzen, dass es ihm oblag, die dĂ€nischen Mitglieder der Forstanderskaber auszuwĂ€hlen. Als er daraufhin Kleinschmidt die Rolle des SekretĂ€rs verwehrte, die er bis dahin innegehabt hatte, bot Kleinschmidt dem Handelsassistenten an, fĂŒr ihn als SekretĂ€r zu fungieren, was dieser dankend annahm. Er verfasste anschlieĂend gemeinsam mit der Nuuker Forstanderskab ein âGrundgesetzâ, das aus einer Liste von 25 alten gesellschaftlichen Traditionen bestand, die das Ăberleben der grönlĂ€ndischen Kultur und Bevölkerung sichern sollten. Dies wurde anschlieĂend in Rinks Druckerei gedruckt und möglicherweise sogar landesweit bekanntgemacht. 1866 reiste Haldor Ferdinand JĂžrgensen nach Europa und bot Kleinschmidt seinen Platz in der Forstanderskab an, aber Rink setzte durch, dass nur GrönlĂ€nder als Vertreter fungieren durften. Kleinschmidt war so dominierend in der Forstanderskab, dass er fĂŒr alle Probleme vorher schon Lösungen ausgearbeitet hatte, und somit kein anderes Mitglied irgendetwas erreichen konnte, was Rink sehr missfiel. WĂ€hrend Kleinschmidt zuvor noch den Kontakt zwischen GrönlĂ€ndern und EuropĂ€ern allgemein als Hauptursache fĂŒr das Elend der Bevölkerung angesehen hatte, fĂŒhrte seine Feindschaft mit Rink dazu, dass er nun dem Handel, personifiziert durch dessen Inspektor Rink, nun alle Schuld zuschob. Nach 1866 wandte Kleinschmidt sich aus Frust gegen die Forstanderskaber, die ihm nun vollkommen egal geworden waren. Mit den neuen Regelungen von 1862 entsprachen sie aber auch nicht mehr dem, was Kleinschmidt sich damals ausgedacht hatte, auch wenn Rink nun als KGH-Direktor gemeinsam mit unter anderem Haldor Ferdinand JĂžrgensen 1872 Ănderungen einfĂŒhrte, die wieder mehr Kleinschmidts Grundgedanken Ă€hnelten. Dadurch erhielt Rink auch wieder ein besseres VerhĂ€ltnis zur Mission und bat Kleinschmidt instĂ€ndig darum, trotz ihrer zuvorigen Streitigkeiten auf seine Briefe zu antworten, wozu Kleinschmidt sich vermutlich erst 1874 durchringen konnte. Obwohl Rink Kleinschmidt anschlieĂend sogar BĂŒcher zukommen lieĂ, konnte dieser kein Vertrauen mehr zu Rink aufbauen.cite-ref-21[1.20]
In Nuuk erhielt Kleinschmidt die Aufgabe, ein neues grönlĂ€ndisches Wörterbuch auszuarbeiten, was schon lange sein Plan gewesen war, aber wozu ihm bisher die Zeit gefehlt hatte. Man wollte ihn weit möglichst aus religiösen Angelegenheiten raushalten, weswegen man verhindern wollte, dass er an seiner BibelĂŒbersetzung arbeitete. Er hatte dabei Konkurrenz von Peder Kragh, der zeitgleich dasselbe Projekt hatte. Beide schickten 1861 ihre EntwĂŒrfe an das Missionskollegium. Kraghs Entwurf war eine Fortsetzung von Otto Fabriciusâ Wörterbuch von 1804, das bis dahin in der dĂ€nischen Mission in Gebrauch war und das er mit seinem eigenen Wissen auf Nordgrönland erweitert hatte, sich orthografiemĂ€Ăig aber sehr nah an die Vorlage hielt. Kleinschmidt hatte seinen Entwurf ebenfalls auf Fabriciusâ Wörterbuch gestĂŒtzt, ergĂ€nzt mit dem Ă€lteren deutschen Wörterbuch der Herrnhuter Missionare. Er benutzte selbstverstĂ€ndlich seine eigene Rechtschreibung und hatte einen deutlich besseren Ăberblick ĂŒber die Morphologie, allerdings fehlte es ihm an Wissen ĂŒber die nordgrönlĂ€ndischen Dialekte, da er dort nie gewesen war. Er sah sein Wörterbuch aber auch eher fĂŒr den Eigengebrauch und brauchte deshalb hierfĂŒr nur die sĂŒdgrönlĂ€ndischen Dialekte. Das Missionskollegium empfahl 1862 Kraghs Wörterbuch, da es alle Dialekte umfasste und man immer noch skeptisch gegenĂŒber Kleinschmidts Orthografie war. Kleinschmidt wurde aufgefordert, Kragh sein Manuskript zu ĂŒbergeben, damit dieser es fĂŒr ErgĂ€nzungen fĂŒr sein eigenes Wörterbuch nutzen konnte. Samuel Kleinschmidt und Haldor Ferdinand JĂžrgensen waren enttĂ€uscht ĂŒber diese Entscheidung. Kleinschmidt ĂŒbergab Kragh eine Liste von WortstĂ€mmen in alter und neuer Rechtschreibung und beschloss zeitgleich, weiter an seinem eigenen Wörterbuch zu arbeiten, das allerdings jetzt Deutsch statt DĂ€nisch sein sollte. Ein fertiges, aber nie herausgegebenes Manuskript ist auf 1863 datiert. Das Kultusministerium, das fĂŒr die Herausgabe von Kraghs Wörterbuch stehen sollte, konnte dies finanziell nicht bewerkstelligen und bat das Innenministerium um Hilfe, wo Sophus Theodor Krarup Smith zustĂ€ndig war. Dieser kannte Kleinschmidt von seiner Untersuchungsreise 1861 und gab bekannt, nur dessen Wörterbuch zu finanzieren. Es kam zu einem Kampf darum, wer das Recht hatte, sein Wörterbuch drucken zu lassen. Kragh hatte plötzlich nur noch die UnterstĂŒtzung des Missionskollegiums, wĂ€hrend Bischof Martensen Rink zum Druck von Kleinschmidts Wörterbuch zwingen wollte. Kleinschmidt bemĂŒhte sich, seinen Entwurf vor 1866 fertigzustellen, damit Haldor Ferdinand JĂžrgensen ihn mit nach Europa nehmen konnte. Wegen des enormen Zeitdrucks musste Kleinschmidt das Register verwerfen und den Seminariumsunterricht ausfallen lassen, um sein Ziel zu erreichen. Obwohl ein Teil des Wörterbuchs nicht korrekturgelesen war, konnte JĂžrgensen es mit dem letzten Schiff des Jahres mit nach Europa nehmen. Dort bildete sich jedoch erneut Wider- und Stillstand, sodass das Wörterbuch auch 1867 noch nicht gedruckt war. Kleinschmidt nutzte die Zeit, um das Wörterbuch weiter zu verbessern und zu ergĂ€nzen. Zu dieser Zeit war Kleinschmidts deutsches Manuskript von 1863 bereits unter den Herrnhutern in Gebrauch, und als Haldor Ferdinand JĂžrgensen alle Missionare um ein Empfehlungsschreiben fĂŒr Kleinschmidts Wörterbuch bat, stimmten nahezu alle Herrnhuter und viele DĂ€nen zu. Auch Rink sprach sich fĂŒr Kleinschmidt aus, und schlieĂlich musste Kragh aufgeben. Es gelang endlich auch Gelder fĂŒr den Druck zu finden, der 1869 begann. Noch wĂ€hrend des Drucks kamen Kleinschmidts letzte Verbesserungen an, die aber bis zum Buchstaben I nicht mehr berĂŒcksichtigt werden konnten, da der erste Teil bereits gedruckt war. Das Wörterbuch kam erst 1871 in den Handel, war aber bereits nach kurzer Zeit ĂŒberall in Grönland gerade aufgrund seiner Rechtschreibung akzeptiert. Das Register war nie fertiggestellt worden, obwohl es im Vorwort als Teil des Wörterbuchs genannt war. JĂžrgensen bat deswegen instĂ€ndig um dessen Ausarbeitung, aber hierfĂŒr fehlte Kleinschmidt sowohl das Interesse als auch die Zeit.cite-ref-22[1.21]
Von 1865 bis 1881 schrieb Samuel Kleinschmidt Briefe mit dem in Labrador tĂ€tigen deutschen Herrnhutermissionar Theodor Bourquin, der ein Bruder seines frĂŒheren MitschĂŒlers Ernst Bourquin war. Kleinschmidt diskutierte linguistische Probleme mit Bourquin, wobei letzterer deutlich weniger sprachliches Wissen hatte und Kleinschmidt letztlich eher erklĂ€rte, wie Bourquin eine Grammatik fĂŒr das in Labrador gesprochene Inuktitut verfassen sollte. Als Bourquin seinen Entwurf 1880 an Kleinschmidt schickte und um Feedback bat, schickte er das Manuskript unkommentiert zurĂŒck, da es so wenig seinem eigenen SprachverstĂ€ndnis entsprach, dass er nicht wusste, wo er mit der Kritik beginnen sollte. Die Grammatik erschien 1885 und genĂŒgte auch dann Kleinschmidts AnsprĂŒchen nicht. Um 1881 stellte Kleinschmidt selbst eine grönlĂ€ndische Version seiner Grammatik von 1851 fertig. Obwohl sie nie herausgegeben worden war, wurde sie in den folgenden Jahren fĂŒr den Unterricht am Seminarium genutzt.cite-ref-22-1[1.21]
Nach seinem Umzug nach Nuuk â vor allem nach 1866 â verbesserte sich Kleinschmidts VerhĂ€ltnis zu seinen ehemaligen Kollegen in Neu-Herrnhut. Er besuchte sie regelmĂ€Ăig zu Gottesdiensten, als Organist und zum Essen, aber auch als Ratgeber fĂŒr alle sprachlichen Probleme der deutschen Missionare. Er freundete sich 1873 mit dem jungen Herrnhuter Missionar Carl Julius Spindler an, der in vielen Bereichen mit Kleinschmidt einer Meinung war, die grönlĂ€ndische Kultur wertschĂ€tzte und â mithilfe von Kleinschmidts Grammatik und Wörterbuch â hervorragend GrönlĂ€ndisch gelernt hatte. Mit Kleinschmidts sprachlicher UnterstĂŒtzung wurde Spindler ein bedeutender Kirchenlieddichter. Von den 105 Kirchenliedern, die Spindler 1876 herausgab, hatte Kleinschmidt vier selbst verfasst. Trotzdem blieb er bis zum Schluss kritisch gegenĂŒber der BrĂŒdergemeine und verfasste noch 1884 eine sechzehnseitige Kritik zur Herrnhuter Kirchenzucht. Dennoch sah er sich Zeit seines Lebens als Herrnhuter.cite-ref-23[1.22] Er sah es nicht als wĂŒnschenswert an, GrönlĂ€nder zwecks Ausbildung und kultureller Bildung nach Europa zu schicken, da dies ihre grönlĂ€ndische Natur zerstören wĂŒrde. Er selbst bedauerte es, seine Jugend in Europa verbracht zu haben, und war der Meinung, er wĂ€re ein noch besserer Mensch gewesen, wenn er sein ganzes Leben in Grönland verbracht hĂ€tte.cite-ref-24[1.23] Er war jedoch auch von seinem religiösen Hintergrund geprĂ€gt, und obwohl er viele Ansichten der Herrnhuter missachtete, war er doch ein Ă€uĂerst glĂ€ubiger und bibeltreuer Mensch, der unterbewusst herrnhutisches Gedankengut aufwies und keinerlei WertschĂ€tzung fĂŒr den traditionellen inuitischen Glauben zeigte.cite-ref-25[1.24]
Letzte Jahre und Tod
Im SpĂ€tsommer 1884 erlitt der ansonsten geistig aktive und immerzu beschĂ€ftigte Samuel Kleinschmidt einen leichten Schlaganfall, der seinen Geisteszustand verschlechterte. In geistiger Umnachtung begann er Geld zu verschenken, was zu Problemen bei der Buchhaltung fĂŒhrte, fĂŒr die er ja selbst verantwortlich war. Nach seiner Besserung konnte er mit einiger Verzögerung im Oktober wieder anfangen zu unterrichten. Im Dezember verschlechterte sich sein Gesundheitszustand jedoch wieder, sodass man begann, an seinem Haus zu wachen, weil er Anzeichen von Geisteskrankheit zeigte. Daneben litt er unter offenen Wunden und Ungezieferbefall. Er weigerte sich jedoch, sein Haus zu verlassen, um im Krankenhaus behandelt zu werden, konnte aber auch nicht mehr seine Kollegen und Freunde besuchen. In dieser Zeit kĂŒmmerte sich Nikolaj Edinger Balle, der Kleinschmidt frĂŒher verachtet hatte (siehe unten), um ihn. Im Sommer 1885 wurde er noch schwĂ€cher und verlor seine frĂŒhere Widerspenstigkeit. Seine letzten Monate verbrachte er mit Lesen, obwohl er weiterhin gerne arbeiten wollte. Er starb schlieĂlich im Februar 1886 im Alter von knapp 72 Jahren vermutlich an einem Herzinfarkt.
In seinem Testament vermachte er Elias Lynge sein Haus, seine Buchbinderutensilien, eine Standuhr und sein Boot, seinem Pflegesohn Abraham alle seine grönlĂ€ndischen BĂŒcher, sein Harmonium, eine Kommode, eine weitere Standuhr, seine meteorologische AusrĂŒstung und sein Geld, seiner Schwester Elisabeth zwei Silberuhren, sein Fotoalbum und seine Briefsammlung und dem Seminarium den Rest seiner Bibliothek, ein StrauĂenei und weiteres. Seinem Testament wurde gröĂtenteils entsprochen, wobei Abraham nur 24,94 kr. seines Vermögens erbte, wĂ€hrend seine Schwester 2447,71 kr. erhielt. Seine Papiere erhielt sie hingegen nicht. Sie gingen an das Seminarium und kamen spĂ€ter in die Landesbibliothek.
Kleinschmidt wurde nach mehreren Tagen schlechten Wetters und einem Trauergottesdienst in der Annaassisitta Oqaluffia in Nuuk am 17. Februar 1886 auf dem Friedhof in Neu-Herrnhut beerdigt. Er war so beliebt, dass die gesamte Bevölkerung Nuuks am Trauerzug teilnahm, angefĂŒhrt vom uniformierten Inspektor Carl Ryberg.cite-ref-26[1.25] Seine sterblichen Ăberreste wurden am 6. August 1904 â vier Jahre nachdem die Herrnhuter BrĂŒdergemeine Grönland verlassen hatte â auf den alten Friedhof von Nuuk neben der Kirche umgebettet.cite-ref-27[1.26]
Werk
Statistik und Meteorologie
Neben den Briefen, die er jĂ€hrlich an die Herrnhuter Direktion als Bericht schreiben musste, verfasste Samuel Kleinschmidt ein sehr systematisches Tagebuch in Form eines Kalenders, von denen elf StĂŒck erhalten sind. In diesen Kalendern notierte er fĂŒr jeden Tag die Mondphasen, dreimal tĂ€glich das Wetter und schlieĂlich kurze Notizen ĂŒber Ereignisse und TĂ€tigkeiten. Diese Notizen waren teils auf Deutsch, teils auf GrönlĂ€ndisch, spĂ€ter auch auf DĂ€nisch verfasst und in einer Art Konsonantenschrift geschrieben, die eine Entzifferung hĂ€ufig stark erschwert. Der Eintrag Brf v. Fth (mgs) sk. nĂąme muss beispielsweise als Briefe von Friedrichsthal (morgens). Siko nĂąme [âkein Eisâ] gelesen werden. In seinen Kalendern hielt Kleinschmidt auch sehr penibel Statistiken ĂŒber die Erzeugnisse, TrĂ€chtigkeitsdauern, Kastrationszeitpunkte etc. jeder einzelner seiner Ziegen fest. Es lĂ€sst sich zudem herauslesen, dass er ansonsten nahezu alle europĂ€ischen Kulturtraditionen ablehnte, darunter den Gartenbau, sodass er sich auch weigerte Salat zu essen â mit dem Verweis darauf, dass er ja kein Ochse sei.cite-ref-28[1.27]
Seine Wetterbeobachtungen zeugen von einer enormen PenibilitĂ€t. Anfangs maĂ er tĂ€glich um 6, 12 und 18 Uhr die Temperatur, ging aber spĂ€ter auf 5, 13 und 21 Uhr ĂŒber, um mit gleichmĂ€Ăigen Intervallen besser eine Tagesmitteltemperatur ausrechnen zu können. Er rechnete anschlieĂend auch Monats- und Jahreszeitenmitteltemperaturen aus. Daneben notierte er tĂ€glich die Windrichtung, das Wetter an sich und neben den Mondphasen spĂ€ter auch den Mondabstand.cite-ref-29[1.28] Als er 1865 ein neues Thermometer erhielt, konnte er seine Messungen ausweiten, und nebenher begann er noch Polarlichter zu beobachten. 1872 wurde Danmarks Meteorologiske Institut (DMI) gegrĂŒndet, wobei man Hinrich Johannes Rink nach geeigneten Orten fĂŒr grönlĂ€ndische Messstationen fragte. 1873 wurde unter anderem eine Wetterstation in Nuuk errichtet und Kleinschmidt zum Verwalter auserkoren und zugleich gebeten, seine frĂŒheren Messungen auszuhĂ€ndigen. Kleinschmidt war jedoch so eigensinnig, dass er sich weigerte den Vorgaben des DMI zu folgen. Er maĂ die Temperatur weiterhin zu seinen eigenen Uhrzeiten und gab die Windrichtung nicht mit Nord-Ost-SĂŒd-West an, sondern nach dem grönlĂ€ndischen nach der KĂŒste ausgerichteten Orientierungssystem. Nach einem Jahr ĂŒbernahm er dennoch die Vorgaben des DMI, da man ihn davon ĂŒberzeugt hatte, dass die daraus resultierende Vergleichbarkeit einen gröĂeren Wert fĂŒr die Statistik hatte. Lediglich bei den Messuhrzeiten gab das DMI Kleinschmidt Recht. Kleinschmidts PenibilitĂ€t zeigte sich erneut darin, dass er die leicht unterschiedlichen Messresultate seiner eigenen Thermometer und derer des DMI zu erklĂ€ren und mit aufwendigen Rechnungen auszugleichen versuchte. Der Direktor des DMI Niels Hoffmeyer forderte so viel Genauigkeit gar nicht und sah keinerlei Probleme. Nebenher lieĂ er den Udstedsverwalter in Qoornoq, Telef Lynge, Messungen fĂŒr das DMI vornehmen, wĂ€hrend er vermutlich ehemalige SchĂŒler eine eigene Messstation in Kangeq verwalten lieĂ. Es gelang ihm zudem, seine eigenen Polarlichtbeobachtungen mit denen anderer Interessierter in Grönland abzugleichen. Seine Beobachtungen Ă€nderten das damalige VerstĂ€ndnis der Polarlichter, die man bisher nur in Europa erforscht hatte, in Grönland aber gĂ€nzlich anders waren. Kleinschmidt war somit eine wichtige Quelle fĂŒr die Polarlichtforschung von Sophus Tromholt und Adam Paulsen.cite-ref-30[1.29]
Grammatik und Lexikografie
Vermutlich 1848 hatte Samuel Kleinschmidt eine Antwort von seinem Halbbruder auf seinen Grammatikentwurf sowie die RĂŒckmeldung seiner Kollegen in Grönland erhalten. 1849 stellte er die Grammatik schlieĂlich fertig, schrieb sie ab und schickte das Manuskript 1850 nach Europa. 1851 erschien somit seine Grammatik der grönlĂ€ndischen Sprache mit theilweisem Einschluss des Labradordialects. Der Missionar Ferdinand Kruth, der von 1830 bis 1840 in Labrador gearbeitet hatte und von 1843 bis 1845 in Lichtenau lebte, um das MissionsgebĂ€ude auszubauen, hatte Kleinschmidt Informationen ĂŒber die Sprache der Inuit in Labrador geliefert, die dieser anschlieĂend in seine grönlĂ€ndische Grammatik einflieĂen lieĂ. Sein Halbbruder arbeitete von 1846 bis 1852 in Berlin, das damals ein bedeutendes Zentrum sprachwissenschaftlicher Forschung war. Emanuel Kleinschmidt hatte das Manuskript wahrscheinlich dem Orientalisten Wilhelm Schott und dem GrĂŒnder der Indogermanistik Franz Bopp vorgelegt, die groĂes Interesse an der Arbeit zeigten. Man schlug vor, Kleinschmidt doch noch auf eine Forschungsreise nach Kanada zu schicken, was aber von der Herrnhuter Direktion abgelehnt wurde. Vermutlich schlug man auch vor, Kleinschmidt von Seiten der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin die EhrendoktorwĂŒrde zu verleihen, was dieser aber selbst als unnötig ablehnte.
Samuel Kleinschmidts Grammatik war ein Novum fĂŒr die Sprachwissenschaft. Es handelte sich um die erste Grammatik der Welt, die eine nicht-indogermanische Sprache beschrieb, ohne typologisch von indogermanischer Grammatik beeinflusst zu sein. Kleinschmidt war vermutlich der erste Sprachwissenschaftler, der eine nicht-indogermanische Sprache ausreichend beherrschte, um dennoch eine in der westlichen Wissenschaftswelt anerkennbare Grammatik fĂŒr diese zu verfassen. Sein Widerstand gegen indogermanische Grammatiktheorien zeigte sich beispielsweise darin, dass er die bis dahin völlig unbestrittenen Kasusbezeichnungen Nominativ und Akkusativ als prototypische Kasus fĂŒr Subjekt und direktes Objekt ablehnte, da GrönlĂ€ndisch als Ergativsprache diese im Gegensatz zu den indogermanischen Akkusativsprachen nicht kannte.
Kleinschmidts gröĂtes Verdienst in seiner Grammatik war die EinfĂŒhrung einer konsistenten Standardorthografie. Bis dahin waren Wörter vergleichsweise zufĂ€llig geschrieben worden, was einerseits dazu fĂŒhrte, dass man beim Lesen nicht wissen konnte, wie ein Wort auszusprechen war, andererseits, dass sich bei den Missionaren falsche Aussprachen auf Grundlage des Schriftbilds einbĂŒrgerten, die anschlieĂend an die nĂ€chste Missionarsgeneration weitergelehrt wurden. Kleinschmidt gelang es hingegen, dass jeder Buchstabe nur fĂŒr einen Laut stehen konnte. Besonderen Fokus legte er dabei auf den Phonemstatus der einzelnen Laute. Lediglich die Schreibung der Laute /q/, /ÉŹ/ und /Ê/ bereitete ihm Probleme; er entschied sich fĂŒr âšÄžâ©, âšdlâ© und âšssâ©. Die Schreibung von /Ć/ mit âšqâ© verwarf er wieder zugunsten von âšngâ©. Trotz des groĂen Fokus auf Phoneme unterschied er als Entgegenkommen fĂŒr die Missionare die Allophone /i/ und /É/ bzw. /u/ und /É/ mit den Schreibungen âšiâ© und âšeâ© bzw. âšuâ© und âšoâ©, wĂ€hrend er /a/ und /É/ nicht klar trennen konnte und deswegen beide âšaâ© schrieb, statt ersteren mit âšĂŠâ© zu schreiben. WĂ€hrend Kleinschmidts Zeit fanden in Grönland starke Lautwandel statt, die unter anderem zur Assimilation von Konsonantenclustern fĂŒhrten. In der bisherigen Rechtschreibung waren diese immer noch konsequent geschrieben worden, aber nun konnten sie bisweilen nicht mehr gehört werden. Kleinschmidt entschied sich hierbei fĂŒr eine Lösung, die besonders darauf achtete, die zugrundeliegende Morphologie der Wörter widerzuspiegeln, ohne die Aussprache völlig unvorhersehbar zu machen. Dennoch fĂŒhrten seine hĂ€ufig etymologisch basierten Schreibweisen zu einer Diskrepanz zwischen Schreibung und Aussprache, die sich mit dem Abschluss dieses Lautwandels noch weiter verstĂ€rkte und erst 1973 durch die grönlĂ€ndische Rechtschreibreform behoben wurde. Widerstand handelte er sich zudem dadurch ein, dass er sĂ€mtliche biblische Namen grönlandifizierte, was vermutlich als blasphemisch betrachtet wurde, aber der tatsĂ€chlichen Aussprache entsprach; so schrieb er beispielsweise ĂperĂąt statt wie bis dahin ĂŒblich Abraham. Ein groĂer Teil seiner Grammatik zeigt ein GrammatikverstĂ€ndnis, das erst ein Jahrhundert spĂ€ter in Form der generativen Grammatik wissenschaftliche Anerkennung finden sollte.
In den 1840er Jahren hatten auch mehrere andere Personen sich bemĂŒht, eine neue grönlĂ€ndische Rechtschreibung oder Grammatik einzufĂŒhren, darunter Kleinschmidts frĂŒherer Vorgesetzter und Erzfeind Valentin MĂŒller, der Missionar Knud NĂžsted und sein grönlĂ€ndischer Kollege Vittus Steenholdt sowie der Leiter von GrĂžnlands Seminarium Carl Junius Optatus Steenberg. Letztlich setzte sich jedoch Kleinschmidts Rechtschreibung durch, vor allem weil sie sich bei der grönlĂ€ndischen Bevölkerung groĂer Beliebtheit erfreute. Bereits Mitte der 1850er Jahre nutzten sowohl mehrere dĂ€nische als auch Herrnhuter Missionare die Kleinschmidtsche Rechtschreibung.cite-ref-31[1.30]
Neben der Orthografie zeichnet Kleinschmidts Wörterbuch sich in mehreren Punkten aus. Es bestand aus zwei Teilen, einem fĂŒr die WortstĂ€mme und einem fĂŒr die Derivationsmorpheme. Dies war bis dahin nie getan worden. Jedes Morphem wurde mit einer enorm nuancierten Bedeutung versehen, damit man genau wusste, in welchem Zusammenhang welches Morphem genutzt werden sollte. Diese Zweiteilung fĂŒhrte dazu, dass Kleinschmidts Wörterbuch deutlich kĂŒrzer und somit auch billiger als Kraghs war, der alle Kombinationen aus StĂ€mmen und Derivationsmorphemen einzeln angab. Der Teil zu den WortstĂ€mmen zeichnete sich dadurch aus, dass sie nach Wortfamilien sortiert waren und etymologisch verwandte Wörter somit gruppiert wurden. Ăberhaupt setzte Kleinschmidt sich mit seiner Orthografie sehr fĂŒr die Durchsichtigkeit der Etymologie ein, auch wenn dies seinem Konzept âein Buchstabe fĂŒr einen Lautâ widersprach, aber immerhin hatte er im Gegensatz zur bisherigen Rechtschreibung âeinen Laut fĂŒr einen Buchstabenâ. Obwohl Kleinschmidt zahlreiche Wörter fĂŒr bis dahin in Grönland unbekannte Dinge erfunden hatte, nahm er die meisten nicht in sein Wörterbuch auf, da sie sich zu seiner Zeit noch nicht in der Sprache verbreitet hatten. Diese Wörter lassen sich nur in seinen wissenschaftlichen BĂŒchern und seiner BibelĂŒbersetzung finden. Anstelle des heute ĂŒblichen eqqumiitsuliorneq âdas Schaffen von etwas MerkwĂŒrdigemâ fĂŒr âKunstâ hatte Kleinschmidt das Wort isumaliornartuliorneq âdas Schaffen von etwas, das zum Nachdenken anregtâ erfunden, das sich jedoch nicht durchsetzte.
Das Register fĂŒr das Wörterbuch war fĂŒr Kleinschmidt nicht wichtig. Noch 1881 hatte er versprochen, mit der Ausarbeitung zu beginnen, und erneut 1884. Nach seinem Tod 1886 zeigte sich, dass er die Aufgabe an verschiedene SchĂŒler ĂŒbergeben hatte, die ungenau gearbeitet hatten. Haldor Ferdinand JĂžrgensen ĂŒbergab das Manuskript an Jacob Kjer, der gemeinsam mit Christian Rasmussen 1893 ein DĂ€nisch-GrönlĂ€ndisches Wörterbuch herausgab. Christian Rasmussen sammelte zudem nordgrönlĂ€ndische Wörter und die von Kleinschmidt selbst geschaffenen Wörter und gab sie in einem ErgĂ€nzungsband fĂŒr Kleinschmidts Wörterbuch heraus. FĂŒr diese ErgĂ€nzungen und das DĂ€nisch-GrönlĂ€ndische Wörterbuch war auch das 1875 doch noch von Peder Kragh auf eigene Kosten herausgegebene Wörterbuch genutzt worden, dessen Arbeit nun nicht ganz umsonst gewesen war.cite-ref-22-2[1.21]
Kleinschmidts Grammatik geriet unter Nikolaj Edinger Balles Amtszeit auĂer Gebrauch. Als Christian Wilhelm Schultz-Lorentzen die Leitung des Seminariums ĂŒbernahm, versuchte er sich mit der Grammatik, aber die SchĂŒler verstanden aufgrund des groĂen Fokus auf Etymologie und Sprachgeschichte nur Ă€uĂerst wenig davon, sodass er beschloss, eine eigene grönlĂ€ndische Grammatik zu verfassen, die 1904 erstmals erschien und fĂŒr viele Jahrzehnte groĂe Bedeutung haben sollte. Er war in seinem SprachverstĂ€ndnis völlig anderer Meinung als Kleinschmidt und hatte auch groĂe Probleme, dessen Rechtschreibung als Grundlage zu nutzen, womit er unter anderem in Konflikt mit Christian Rasmussen kam.cite-ref-32[1.31]
BibelĂŒbersetzung
Bereits um 1856 hatte Samuel Kleinschmidt begonnen, die Bibel neuzuĂŒbersetzen, da die bisherigen Ăbersetzungen teilweise unverstĂ€ndlich waren und beispielsweise das Vaterunser in zahlreichen Versionen in Umlauf war. Noch wĂ€hrend er in Neu-Herrnhut lebte, arbeitete er gemeinsam mit Carl Janssen und vor allem Haldor Ferdinand JĂžrgensen an der Ăbersetzung. FĂŒr eine möglichst gute Ăbersetzung wollte Kleinschmidt sich an den originalen altsprachlichen Texten orientieren und nicht an der deutschen Ăbersetzung, die die Herrnhuter Missionare mangels Ausbildung nutzten. HierfĂŒr brauchte er selbst Unterricht und lieĂ sich deswegen von JĂžrgensen in HebrĂ€isch unterrichten. Sie begannen mit der Ăbersetzung des Buchs Ezechiel, das Kleinschmidt anschlieĂend seinen SchĂŒlern und anderen GrönlĂ€ndern wie Aron von Kangeq zum Korrekturlesen vorlegte. In seiner Ăbersetzung nutzte Kleinschmidt wie ĂŒblich grönlandifizierte Schreibweisen fĂŒr Lehnwörter, wĂ€hrend in den frĂŒheren Ăbersetzungen diese noch wie in der Ausgangssprache geschrieben worden waren. Ab 1859 lernte Kleinschmidt auch Altgriechisch und arbeitete an der Ăbersetzung des Neuen Testaments, wobei er Hilfe von einigen Katecheten, darunter Rasmus Berthelsen und Vittus Steenholdt bekam. WĂ€hrend der gesamten Ăbersetzungsarbeit wurden auch immer bestehende grönlĂ€ndische, dĂ€nische, deutsche und englische Ăbersetzungen einbezogen. Zuletzt wurde die Ăbersetzung den SeminariumsschĂŒlern im Unterricht vorgestellt, woraufhin diese aus mehreren Möglichkeiten die beste wĂ€hlen sollten. Kleinschmidt hoffte, dass seine Ăbersetzung aufgrund der Sprachverwandtschaft auch in Kanada und Alaska genutzt werden oder zumindest als Grundlage fĂŒr eine lokale einzelsprachliche Ăbersetzung dienen konnte. 1864 begann der Druck einer ProbeĂŒbersetzung des 1. Mosebuchs mit dem Titelblatt der ganzen Bibel. Von 1866 bis 1867 war Haldor Ferdinand JĂžrgensen in Europa, weswegen die Arbeit in dieser Zeit ruhte. Als JĂžrgensen Grönland 1869 verlieĂ, ĂŒbernahm der Missionar Johannes Wiberg seinen Platz, aber auch er reiste 1870 nach Europa zurĂŒck. AnschlieĂend wurde Nikolaj Edinger Balle Kleinschmidts engster Kollege, der als Grundtvigianer eigentlich nicht daran interessiert war, dass EuropĂ€er die Bibel ĂŒbersetzten, aber vor allem die Herrnhuter BrĂŒdergemeine und damit auch den dort aufgewachsenen Kleinschmidt stark verachtete. 1873 stellte Peder Kragh, dem es nicht gelang, seine eigene Ăbersetzung einzelner Bibelteile herauszugeben, diese Kleinschmidt zur VerfĂŒgung, der sich bemĂŒhte, seine Ăbersetzung auf den frĂŒheren aufzubauen, sofern sie nicht dem Grundtext widersprachen. Die Arbeit schritt langsam voran, da Kleinschmidt so perfektionistisch war, dass er wĂ€hrend der laufenden Ăbersetzungsarbeit auch die in den vorigen Jahren ĂŒbersetzten Teile wieder und wieder ĂŒberarbeitete, aber auch aufgrund Balles Widerstand. 1875 reiste Balle fĂŒr zwei Jahre nach Europa, weswegen die Arbeit wieder pausiert wurde. Auch danach kam sie nur bedingt wieder in Gang, vor allem weil Kleinschmidt und Balle sich ĂŒber die richtige Ăbersetzung fĂŒr âGeistâ und âTeufelâ stritten. 1882 lieĂ Kleinschmidt den Rest des Mosebuchs drucken. 1884 gab er die BibelĂŒbersetzung aus gesundheitlichen GrĂŒnden auf.cite-ref-33[1.32]
Vor seinem Tod hatte Balle ihm versprochen, die BibelĂŒbersetzung fĂŒr ihn ganz nach seinen WĂŒnschen fertigzustellen. Haldor Ferdinand JĂžrgensen war jedoch misstrauisch und wollte diese Aufgabe selbst ĂŒbernehmen. Im Winter 1892/93 ĂŒbersetzte er gemeinsam mit Christian Rasmussen den Brief des Jakobus, den 1. und 2. Brief des Petrus und den Brief des Judas, die Kleinschmidt selbst nicht geschafft hatte zu ĂŒbersetzen. Dabei nahmen sie einige kleinere Ănderungen vor. Christian Rasmussen passte Kraghs Ăbersetzung von groĂen Teilen der GeschichtsbĂŒcher des Alten Testaments an Kleinschmidts Standard an, wĂ€hrend er die ChronikbĂŒcher selbst neu ĂŒbersetzte. 1893 wurde das Neue Testament in 6000 Exemplaren gedruckt und 1899 das Alte Testament in 4000 Exemplaren. 1900 erschien â 14 Jahre nach Kleinschmidts Tod â die erste vollstĂ€ndige einheitliche BibelĂŒbersetzung. Zu diesem Zeitpunkt war sie vermutlich die beste BibelĂŒbersetzung auĂerhalb Europas. 1912 und 1936 erschienen Ăberarbeitungen, in die teilweise VorschlĂ€ge Balles eingearbeitet waren und dann wieder zu Kleinschmidts Ăbersetzung zurĂŒckgekehrt wurde. In den 1960er Jahren beschloss man aufgrund sprachlicher und theologischer Entwicklungen, die Bibel erneut zu ĂŒbersetzen. Nach jahrzehntelanger Arbeit erschien die heutige BibelĂŒbersetzung im Jahr 2000.cite-ref-34[1.33]
Kartografie
Bereits auf seiner Reise von Lichtenau nach Lichtenfels 1846 hatte Samuel Kleinschmidt Karten gezeichnet. WĂ€hrend er in Noorliit und Nuuk war, intensivierte er diese BeschĂ€ftigung. Immer wenn er in der Umgebung unterwegs war, nahm er einen Sextanten, einen Peilkompass und zwei Taschenuhren mit, um die Landschaft so gut es ging zu vermessen. Er maĂ AbstĂ€nde sowie die Höhe von Bergen. Da er nicht selbst die gesamte Gegend bereisen konnte, instruierte er GrönlĂ€nder, die ihnen bekannten KĂŒstenstreifen selbst zu kartografieren, damit er anschlieĂend diese Skizzen fĂŒr seine eigenen Karten verwenden konnte. Bereits in Carl Christian Rafns GrĂžnlands historiske MindesmĂŠrker von 1845 hatte Kleinschmidt die Karte ĂŒber den Kolonialdistrikt Julianehaab korrigiert. Mehrere Karten ĂŒberlieĂ er offenbar 1855 Inspektor Hinrich Johannes Rink, der selbst an Kartografie interessiert war und der sie spĂ€ter an Det Kongelige Bibliotek und das SĂžkortarkivet weitergab. Um 1855 schuf er fĂŒr Rafn auch eine bessere Version der Karte ĂŒber die Vestribyggð beziehungsweise den Kolonialdistrikt Godthaab, die er 1860 selbst drucken lieĂ. Im Vorjahr hatte er bereits eine Karte ĂŒber den Kolonialdistrikt FiskenĂŠsset herausgegeben. 1863/64 half er dem SĂžkortarkivet wĂ€hrend einer Vermessungsexpedition und schickte ihnen auch sonst selbst Skizzen zu, woraufhin sich das Archiv in Form eines Aneroid-Barometers bei ihm bedankte. 1878 korrigierte er auf Bitte von Jens Arnold Diderich Jensens die Karte ĂŒber das Gebiet zwischen Nuuk und Paamiut, wobei die Korrekturen jedoch erst nach dem Druck bei Jensen ankamen.
1866 zeichnete er eine Karte ĂŒber die gesamte damals bekannte grönlĂ€ndische KĂŒste, wobei er auf verschiedene andere Kartografen und Forscher zurĂŒckgriff: Den nördlichen Teil des Kolonialdistrikts Upernavik ĂŒbernahm er aus Stielers Hand-Atlas, den sĂŒdlicheren Teil bis zur Diskobucht von Rinks Karte ĂŒber Nordgrönland, die sĂŒdlich davon liegende WestkĂŒste bis Maniitsoq von Skizzen von GrönlĂ€ndern, wĂ€hrend er fĂŒr den ĂŒbrigen Teil der sĂŒdlichen WestkĂŒste seine eigenen Messungen und Beobachtungen in Verbindung mit grönlĂ€ndischen Skizzen sowie Messungen von Rink und Wilhelm August Graah nutzte. Letzterer konnte auch Informationen ĂŒber die OstkĂŒste liefern. Die Karte wurde 1868 veröffentlicht und unter anderem 1877 von Rink in seiner englischsprachigen Grönlandsbeschreibung Danish Greenland verwendet.cite-ref-35[1.34]
Ăbrige Wissenschaften
Samuel Kleinschmidt verfasste wĂ€hrend seiner Zeit in Nuuk zahlreiche wissenschaftliche Schriften. Er war hierbei vor allem davon geprĂ€gt, dass Rink zur gleichen Zeit die grönlĂ€ndischen Mythen sammelte und herausgab, von denen Kleinschmidt als bibeltreuer Christ nichts hielt. Obwohl er sonst ein groĂer BefĂŒrworter der traditionellen grönlĂ€ndischen Kultur war, wollte er der Bevölkerung die Welt nach europĂ€ischem wissenschaftlichen Interesse vermitteln, wobei jedoch auch immer ein religiöser Einschlag zu erkennen war.
Sein erstes Buch von 1858 behandelte die Geografie der Welt auf GrönlĂ€ndisch. Im ersten Drittel wurde die GröĂe der Welt, das Klima und anderes allgemein erklĂ€rt. AnschlieĂend wurde jeder Kontinent in Bezug auf die Landschaft, das Klima, die Flora und Fauna und die Bevölkerung und Gesellschaft und ihren Glauben einzeln beschrieben. Das letzte Drittel behandelte ausschlieĂlich Israel, um ErlĂ€uterungen fĂŒr die Bibel zu liefern. Kleinschmidt arbeitete spĂ€ter an einer zweiten Ausgabe, die er aber nicht mehr fertigstellte.
Sein zweites Buch von 1859 war eine Beschreibung aller bedeutenden Ereignisse auf der Welt, die Kleinschmidt bekannt waren, auf GrönlĂ€ndisch. FĂŒr ihn als Christ beginnt diese mit der Schöpfung 4000 v. Chr. und endet 1858. Das Buch zeugt von einer neutralen Sichtweise, indem sein eigener Hintergrund, DĂ€nemark und die Herrnhuter BrĂŒdergemeine nur in Randnotizen erwĂ€hnt werden. Auf dem Titelblatt hieĂ es, dass das Buch nur der erste Teil war. Als zweiter Teil muss sein spĂ€teres Werk Mumisitsiniartunik von 1874 angesehen werden.cite-ref-36[1.35] Zu diesen BĂŒchern gehört auch seine 1873 verfasste Kirchengeschichte. Diese und das Buch von 1874 beleuchten sein Religions- und WeltverstĂ€ndnis, wo er angesichts der Entwicklungen mit der Pariser Kommune dafĂŒr argumentiert, dass die AnhĂ€nger der Französischen Revolution von 1789 und die Industrialisierung und Ănderungen in den ArbeitsverhĂ€ltnissen den Untergang des christlichen Abendlandes bedeuten.cite-ref-25-1[1.24]
Nachdem er bereits in seiner Anfangszeit die LesefĂ€higkeiten und Unterrichtsmaterialien der Schulkinder bemĂ€ngelt hatte, hatte er 1851 einen Vorschlag fĂŒr ein neues Lesebuch herumgeschickt, das 1852 in erster und 1861 in zweiter Auflage gedruckt wurde. Direkt im Anschluss an die zweite Auflage revidierte Samuel Kleinschmidt gemeinsam mit Haldor Ferdinand JĂžrgensen das Leselernbuch von Carl Junius Optatus Steenberg, dessen sechste Ausgabe 1849 erschienen war. TatsĂ€chlich handelte es sich jedoch eher um eine ĂŒberarbeitete Version von Kleinschmidts eigenem Buch von 1851/52. Bereits 1864 erschien die zweite Auflage. Sein Alphabet entsprach nicht der ĂŒblichen Reihenfolge, sondern war phonetisch orientiert: a, e, i, o, u (Vokale), Äž, r, l, dl (Uvulare und Laterale), k, ng, g, j (Velare), t, n, s, ss (Alveolare), p, m, v, f (Bilabiale). Zudem gab er nur die Silben an, die in der grönlĂ€ndischen Sprache auch vorkommen, wĂ€hrend man zuvor fĂŒr GrönlĂ€nder unaussprechbare Silben wie beirng gelehrt hatte.
1864 veröffentlichte er ein Buch auf GrönlĂ€ndisch ĂŒber die Tiere der Welt. Darin beschrieb er alle wichtigen Tiere in drei Abschnitten mit jeweils vier Teilen (Wirbeltiere: SĂ€ugetiere, Vögel, Reptilien, Fische; Gliedertiere: Insekten, Spinnen, Vielbeiner (Krabben, Flohkrebse), WĂŒrmer; Weichtiere: Schalentiere, Verzweigte (Seesterne, Quallen), Pflanzenartige (Seeanemonen), Wimpertierchen). Kleinschmidt gab allen Tieren grönlĂ€ndische Namen, die teilweise beschreibend waren (katsorik âder sehr brauneâ = Zobel), teilweise Grönlandisierungen europĂ€ischer Wörter (sukorpiuuni = Skorpion).
1867 schuf er eine grönlĂ€ndische Missionsgeschichte fĂŒr die ganze Welt, wo er fĂŒr jeden Kontinent einzeln die religiöse Situation und die EinfĂŒhrung des Christentums schilderte. WĂ€hrend er sonst auf Illustrationen verzichtete, weil er sich nicht die BlöĂe geben wollte, den bei Rink angestellten Lithografen Lars MĂžller um Hilfe zu bitten, sah er in diesem Buch, das 1877 in zweiter erweiterter Auflage erschien, eine Weltkarte fĂŒr unabdingbar â und zeichnete deswegen hĂ€ndisch insgesamt 1600 Weltkarten, die er anschlieĂend mit Aquarellfarben ausmalte.cite-ref-36-1[1.35]
Ehrungen
Auf seinem Weg von Neu-Herrnhut zu seinem Arbeitsplatz in Nuuk musste Samuel Kleinschmidt bei jedem Wetter eine Strecke von rund anderthalb Kilometern zurĂŒcklegen. Um den Weg auch im Nebel zu finden, stellte er einen groĂen Pfahl auf, an dem er eine Lampe befestigte. Der Pfahl blieb auch nach seinem Tod stehen und wurde zu einem Denkmal. SpĂ€ter wurde er abgerissen und durch einen neuen Pfahl mit einer Gedenkplatte mit grönlĂ€ndischer und dĂ€nischer Inschrift ersetzt. Der Pfahl befindet sich am kleinen Weg Qullilerfik (âWo man sich mit einer Lampe versorgtâ) an der StraĂe Imaneq, dem frĂŒheren Skibshavnsvej. Die StraĂe wird von der nach Samuel Kleinschmidt benannten Samuel Kleinschmidtip Aqqutaa gekreuzt.cite-ref-37[2]cite-ref-38[3]
Am 19. Juni 1885 erhielt Samuel Kleinschmidt die Fortjenstmedaljen in Gold.cite-ref-39[4]
1964 widmete ihm die grönlĂ€ndische Post eine von CzesĆaw SĆania entworfene Briefmarke zu 35 Ăre.cite-ref-40[5]
Werke
Quelle:cite-ref-41[1.36]
⹠1851: Grammatik der grönlÀndischen Sprache mit theilweisem Einschluss des Labradordialects
âą 1858: Nunalerutit, imĂĄipoÄž: silap pĂssusianik inuinigdlo ilĂkarsautĂnguit (âGeografie [...]â)
âą 1859: Silame iliornerit pingĂąrnerit ilait, imĂĄitoÄž: silamiut ingerdlausiĂĄnik agdlagĂĄnguit, kalĂątdlinut silagtorumassunut ilĂkarsautigerÄžuvdlugit silame inuiaÄžatigĂźt ÄžanoÄž iliortarnerisa ilainik, Äžanordlo GĂ»timit pineÄžartarssusiĂĄnik, sujunigssamutdlo atautsimut ingerdlatitĂĄussusiĂĄnik (âEinige der wichtigsten Handlungen auf der Erde [...]â)
âą 1861: NĂąggĂąrtut navsuerutait, ugperissatik nalunaeramĂkik ukioÄž 1530 (âBekenntnis der Protestanten, als sie ihren Glauben bekanntmachten, 1530â) (Ăbersetzung der Confessio Augustana)
âą 1861: ABD
âą 1864: Ămassunik (âĂber Tiereâ)
⹠1881: zweite unverÀnderte Auflage
âą 1864: Atuagarssuit, tĂĄssa agdlagkat iluartut tamarmiussut, tastamantitorÄžamigdlo tastamantitĂąmigdlo agdlagkat, imĂĄipoÄž: GĂ»tip angerusianik sujugdlermigdlo kingugdlermigdlo oÄžausigdlit: nugtigkat sujugdlĂźt narÄžigdlugit nugterÄžigsĂąrsimassut, agdlagsimassoÄžatainigdlo nalerÄžĂștunik kapitalidlo ÄžanoÄž imaÄžarssusĂźnik ilalersorsimassut: sujugdliussut: tastamantitorÄžamik agdlagkat (âDie Bibel, das ist die ganze heilige Schrift, das Alte Testament und das Neue Testament [...]â)
âą 1864: Tugsiautit (Buch der Psalmen)
âą 1867: OÄžalugtuĂĄnguit ajoÄžersuiartortitanik imalĂ»nĂźt: kuisimĂĄngitsunik mĂĄssĂĄkut ajoÄžersuiartortitatigut ĂĄnĂĄussissumik ajoÄžersornerÄžalersunik sĂĄngniartoÄžalersunik, ilainigdlo sule patdlingneĞångitsunik (âKleine Geschichten ĂŒber Missionare [...]â)
âą 1877: zweite Auflage
âą 1869/70: AjoÄžersuiartortitat ilaisa oÄžalugtuarissait avdlanik ilagdlit (âGeschichten einiger Missionare mit einem Teil anderemâ; zwei Teile)
âą 1871: Den grĂžnlandske ordbog (âDas grönlĂ€ndische Wörterbuchâ)
âą 1873: Kristumiunik, imĂĄitoÄž: Kristusip ilagĂźgsaisa mĂĄna tikitdligo silamiut akornĂĄne ÄžanoÄž ingerdlatitaunerĂĄnik agdlagĂĄnguit, pavkua avangnĂąmisut ilĂąta iliniusiai pingĂąrtumik najorÄžutaralugit agdlagkat (âĂber die Christen [...]â)
âą 1874: Mumisitsiniartunik (âĂber die RevolutionĂ€reâ)
âą 1884: zweite Auflage
âą 1883: KalĂątdlit ÄžatĂĄngutigĂźngnianik taissat ajoÄžersortaisa sujugdlĂźt maunga autdlarfiĂĄnik erÄžainiutigssat, autdlarĞùrfiĂĄnit ukiut 150-ngormata: uk. 1883-ne JĂĄnuĂąrip 19-ne atugagssat (âGedenken an die Reise der ersten Missionare der sogenannten grönlĂ€ndischen BrĂŒdergemeine hierhin, als seit ihrer Ankunft 150 Jahre vergangen sind [...]â)
âą 1893: TastamantitĂąk, tĂĄssa nĂąlagkavta ĂĄnĂĄussissivta JĂźsusip Kristusip tastamantianik agdlagkat ivdlernartut: nugtigkat sujugdlĂźt narÄžigdlugit nugterÄžigsĂąrsimassut, agdlagsimassoÄžatainigdlo nalerÄžĂștunik kapitalitdlo ÄžanoÄž imaÄžarssusĂźnik ilalersorsimassut (âDas neue Testament, das ist die heilige Schrift ĂŒber unseres Herren, unseres Erlösers Jesu Christi Testament [...]â)
Literatur
âą Haldor Ferdinand JĂžrgensen: Samuel Petrus Kleinschmidt. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537â1814. 1. Auflage. Band 9: JydeâKĂžtschau. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1895, S. 218â219 (dĂ€nisch, runeberg.org).
âą Erik Holtved: Samuel Kleinschmidt i anledning af 150-Ă„ret for hans fĂždsel. In: Tidsskriftet GrĂžnland. Nr. 1964/6, S. 217â230 (Online [PDF]).
âą Erik Holtved: Samuel Kleinschmidt. In: Arctic. Band 17, Nr. 2, 1964, S. 143â144 (Online [PDF]).
âą Paul Karmrodt: Zwei Vogteier Wissenschaftler in Grönland. In: MĂŒhlhĂ€user BeitrĂ€ge. Heft 11. MĂŒhlhĂ€user Druckhaus, MĂŒhlhausen/ThĂŒringen 1988, S. 89â92.
⹠Henrik Wilhjelm: »af tilbÞjelighed er jeg grÞnlandsk«. Om Samuel Kleinschmidts liv og vÊrk. (= Det GrÞnlandske Selskabs Skrifter. Band XXXIV). Det GrÞnlandske Selskab, Kopenhagen 2001, ISBN 87-87925-26-5.
âą Henrik Wilhjelm: GrönlĂ€nder aus Leidenschaft: Das Leben und Werk von Samuel Kleinschmidt (= Missionswissenschaftliche Forschungen, Neue Folge. Band 30). Erlanger Verlag fĂŒr Mission und Ăkumene, Neuendettelsau 2013, ISBN 978-3-87214-360-0.
âą Henrik Wilhjelm: Kleinschmidt und Grönland. In: RĂŒdiger Kröger (Hrsg.): Unitas Fratrum â Zeitschrift fĂŒr Geschichte und Gegenwartsfragen der BrĂŒdergemeine. Band 69/70. Herrnhuter Verlag, Herrnhut 2013, ISBN 978-3-931956-42-4, S. 221â231.
Weblinks
Einzelnachweise
1. Henrik Wilhjelm: »af tilbÞjelighed er jeg grÞnlandsk«. Om Samuel Kleinschmidts liv og vÊrk. (= Det GrÞnlandske Selskabs Skrifter. Band XXXIV). Det GrÞnlandske Selskab, Kopenhagen 2001, ISBN 87-87925-26-5.
cite-note-372. â Finn Gad: Kleinschmidts PĂŠl. In: Tidsskriftet GrĂžnland. Nr. 1957/2, S. 410â414 (Online [PDF]).
cite-note-383. â Vejnavne i Nuuk. Kommuneqarfik Sermersooq.
cite-note-394. â Sophus Hennings, Gustav Ludvig Wad (Hrsg.): Kongelig Dansk Hof- og Statskalender, Statshaandbog for Kongeriget Danmark for Aaret 1886. Bianco Lunos Kgl. Hof-Bogtrykkeri, Kopenhagen 1886, S. 170 (Online [PDF]).